IDUGM54: Blick übern Tellerrand: Quark XPress 2017

Donnerstag, 22. Juni 2017 · 18:30–21:30 Uhr
Designschule München

Linktipps

  • Die künftigen Möglichkeiten SVG-basierter OpenType-Schriften zeigt die farbenfrohe Gilbert zu Ehren des heuer verstorbenen Erfinders der Regenbogenfahne. Wir werden versuchen, bei den nächsten Treffen in loser Folge das Thema »Schriften« aus allen Richtungen zu beleuchten.
  • Wer Sonderzeichen in E-Books unterbringen muss und sich nicht sicher ist, was die aktuelle Soft- und Hardware wirklich darstellen kann, sollte sich Simon Collinsons Unicode-EPUB herunterladen.
  • Ein neuer Versuch, die etwas schwer überschaubaren Ebenen der Tastaturbelegung in Illustrator, InDesign und Photoshop in einer eleganten Übersicht zu präsentieren.
  • Wer wissen möchte, wie viele Tischtennisplatten in Adobes Hauptquartier in San Jose stehen, sollte sich den Videorundgang anschauen.
  • Die meisten Besprechungen dienen nur der Bestätigung des Rudelführers, und dafür sind sie schlicht zu teuer. Ein »Besprechungstaxameter« könnte manchem die Augen öffnen.
  • Zeiterfassung im Handumdrehen – wer sich mit der Erfassung und Berechnung seiner eigenen Arbeitszeit schwer tut (so wie ich), sollte sich zumindest die Software dazu mal näher ansehen.
  • Zum Testen von Serienbriefen oder anderen Personalisierungen braucht man einen möglichst realistischen Datenbestand. Warum mühsam echte Namenslisten entstellen, wenn man falsche Namenslisten ganz einfach bestellen kann?
  • Mir hilft bei Flächenvergleichen weder das Saarland noch ein Fußballfeld, weil ich zu beidem keinerlei Bezug habe – zu Schwimmbecken schon eher …
  • Weg mit den Stinkern – her mit den Lastenrädern!

Ominöse InDesign-Funktion des Abends

Textumfluss wirkt sich nur auf Text unterhalb aus – Die Option unter Voreinstellungen → Satz ist vermutlich eins der Überbleibsel aus der heftigen Umstiegszeit, als man ehemaligen XPress-Nutzern ersparen wollte, ihre Dateien und/oder ihre Arbeitsabläufe allzu abrupt ändern zu müssen. Bei Aktivierung wird Text von Textumfluss (früher: Konturenführung) »verschont«, wenn er sich vor dem verdrängenden Objekt befindet. Das ist genau das (einzig mögliche) Verhalten von XPress bis heute, und es provoziert Probleme oder zumindest Mehrarbeit, weil bei Transparenzreduktion (zum Beispiel beim Export als PDF/X-1a) Schrift, die unter transparenten Bildbereichen liegt, schlimmstenfalls in Pfade oder Pixel umgewandelt werden muss. Daher »predigen« wir InDesign-Anwendern seit siebzehn Jahren, dass Text immer über Bildern liegen sollte. Welchen Grund gäbe es also, das in InDesign zu aktivieren?

Konkurrenz belebt das DTP – Neues in XPress 2017

Matthias Günther     haben wir nicht zuletzt deshalb immer wieder sehr gerne zu Gast, weil er kurzweilig und interessant vorträgt, weil er als »Head of DTP« bei Quark sowohl technisch als auch betrieb(swirtschaft)lich belastbare Auskünfte geben kann, und weil er seine Software so beherrscht, als arbeite er selbst täglich produktiv damit. Nach all den Jahren, in denen wir der Leinwand oft das Gesicht und noch öfter den Rücken zugewandt haben, glauben wir beurteilen zu können, dass eine Kombination der genannten Qualitäten nicht alltäglich anzutreffen ist.

Unser Fazit der Vorstellung von XPress 2017: Als Gestalter können wir froh sein, dass XPress längst InDesign in den meisten Aspekten eingeholt oder sogar überholt hat, so dass man Neueinsteigern ehrlich sagen kann, dass sie mit keinem der beiden Programme von vornherein alles richtig und mit dem anderen alles falsch machen. Die Wahl kann jeder nach den eigenen Anforderungen und natürlich auch gemäß den eigenen Vorstellungen von Preisen und Lizenzbedingungen treffen.

Für »alte Hasen« ist dabei sehr amüsant, wie sich die Wahrnehmung der beiden Unternehmen Quark und Adobe durch viele Kunden und Kollegen innerhalb der vergangenen ein bis zwei Jahrzehnte verändert hat: Auf der einen Seite sehen sie ein arrogantes Großunternehmen, das den Markt dominiert, deshalb Fantasiepreise verlangen kann und sich jenseits des Geldeingangs nicht mehr für seine Kunden interessiert. Auf der anderen Seite ist da die innovative, sympathische Softwareschmiede, die intensiv den Kontakt zum (auch Bestands-)Kunden sucht und unablässig an sinnvollen Produktverbesserungen werkelt. Zur Jahrtausendwende galt wohl Quark als Ersteres, Adobe als Letzteres. Heute ist es, jedenfalls aus der Sicht vieler Printgestalter und -dienstleister vor allem in Deutschland, ziemlich genau andersrum.

Wer sich als Anwender nicht nur von Emotionen leiten lassen will, kann von der Situation heute ebenso profitieren wie damals und die entstehenden Spielräume zu seinen Gunsten nutzen. Ich wage aber mal eine Wettervorhersage: Wenn du auch in zehn Jahren und darüber hinaus dein Geld hauptsächlich mit der Datenerstellung für Drucksachen verdienen willst, solltest du Quark nicht aus den Augen verlieren, denn die machen auf uns nicht den Eindruck, als hätten sie Print schon für tot erklärt.

Wir freuen uns aufs nächste Treffen am 20. Juli 2017 im Biergarten.

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